Fototage rund um Engelberg
Fünf Tage unterwegs rund um Engelberg in der Schweiz — jeden Tag zwischen 12 und 18 Kilometern zu Fuß, immer mit Kamera auf dem Rücken und ständig diesem inneren Konflikt:
„Nehme ich die große Linse mit oder vertraue ich heute mal auf leichtes Gepäck?“ Wobei bemerkt, leichtes Gepäck heißt bei mir immer noch ca 16kg 😉
Fotografen wissen:
Das ist keine einfache Entscheidung.
Das ist strategische Kriegsführung.
Denn irgendwo zwischen Alpenpanorama, Wasserfällen und Geröllfeldern sitzen Murmeltiere und beobachten ganz genau, welches Objektiv man eingepackt hat.
Die Landschaft rund um Engelberg ist jedenfalls völlig absurd schön. Diese Berge sehen aus, als hätte jemand beim Erstellen der Schweiz sämtliche Regler nach rechts geschoben. Überall Wasserfälle, dramatische Felswände, grüne Hänge und Aussichtspunkte, bei denen man automatisch stehen bleibt und denkt:
„Okay… schöner wird’s jetzt wirklich nicht mehr.“
Fünf Minuten später wird man wieder eines Besseren belehrt.
Dazu kam fast durchgehend absolutes Kaiserwetter. Sonnig, angenehm warme 25 Grad und dieses Postkartenwetter, bei dem man irgendwann vergisst, wie viele Kilometer man eigentlich schon in den Beinen hat. Nur die Sicht war oft leicht diesig — was in den Bergen ja angeblich ein gutes Zeichen ist. Klare Fernsicht bedeutet dort oben meistens: Wetterumschwung im Anflug.
Man lernt schnell:
Wenn die Schweizer sagen „heute ein bitzli diesig“, meint das immer noch eine Aussicht, für die anderswo Eintritt verlangt würde.
Besonders beeindruckend war dieses permanente Gefühl von Weite. Hinter jeder Kurve eröffnete sich das nächste Alpenpanorama, während irgendwo wieder ein Wasserfall die Felsen hinunter donnerte. Teilweise hatte man das Gefühl, die Schweiz hätte beschlossen, sicherheitshalber einfach an jeden zweiten Berg noch einen Wasserfall dranzubauen.
Und natürlich läuft man dafür freiwillig kilometerweit bergauf.
Mit mehreren Kilo Kameraausrüstung.
Weil Fotografen ein sehr spezielles Verhältnis zu Vernunft haben.
Die Wasserfälle waren dabei fast schon unfair fotogen. Hinter jeder Ecke rauschte wieder einer durch die Landschaft, begleitet vom typischen Schweizer Bergsoundtrack aus Kuhglocken, Wind und gelegentlichem Fluchen, wenn das Stativ mal wieder exakt dort einsank, wo man es gerade perfekt ausgerichtet hatte.
Und dann waren da die Murmeltiere.
Diese kleinen Pelzstrategen haben die Tour emotional komplett übernommen.
Anfangs war ich überzeugt, dass ich für sie die große „1600-mm-Murmeltierkanone“ brauchen würde — ein Objektiv so schwer, dass man nach einigen Kilometern automatisch anfängt, über jedes unnötige Gramm im Rucksack zu philosophieren. Wasser? Wichtig. Snacks? Wichtig. Ersatzakku? Unverzichtbar. Bandscheiben? Optional.






Hab Euch einmal die Original Fotos und einmal die Ausschnitte hier hochgeladen, Die Originalen sind schon eher Typ Suchbild 😉
Das Lustige:
Die besten Murmeltierbilder entstanden natürlich nicht mit der gigantischen Telekanone, sondern mit leichtem Tele oder sogar eher weitwinklig.
Denn immer wenn das Monsterobjektiv montiert war, saßen die Tiere plötzlich entweder drei Täler weiter entfernt oder verschwanden demonstrativ hinter einem Stein.
Mit kleinerem Equipment dagegen standen sie plötzlich da wie gebuchte Fotomodels.
Entspannt. Neugierig. Teilweise fast schon posierend.
Ich bin mittlerweile überzeugt, dass Murmeltiere Fotografen erkennen und sich heimlich absprechen.
Zwischendurch gab es dann sogar einen kurzen „Erholungstag“ am Vierwaldstättersee inklusive etwas Luzern. Wobei „Erholung“ relativ ist, wenn man trotzdem wieder mit Kamera unterwegs ist und spätestens nach zehn Minuten am Ufer erneut irgendwo stehen bleibt, weil das Licht gerade schön auf das Wasser fällt.
Aber immerhin:
Für einen Moment tauschte man Bergpfade gegen Seepromenade und Höhenmeter gegen Kaffee mit Aussicht.
Neben der Landschaft bleibt aber vor allem eines hängen: die Menschen.
Die Schweizer dort oben waren durchweg unglaublich freundlich. Dieses entspannte Grüßen auf Wanderwegen färbt irgendwann automatisch ab. Nach ein paar Tagen grüßt man plötzlich selbst jeden entgegenkommenden Wanderer, obwohl man zuhause teilweise nicht einmal Blickkontakt mit dem Paketboten hält.
Und dieser Dialekt…
Selbst einfache Wegbeschreibungen klingen in der Schweiz irgendwie sympathisch. Man versteht vielleicht nicht jedes Wort, nickt aber trotzdem begeistert, weil alles klingt, als würde man gerade freundlich in einen Werbespot für Bergkäse eingeladen.
Am Ende waren es fünf Tage voller Höhenmeter, schmerzender Beine, Speicherkarten am Limit und deutlich mehr Fotos, als man jemals realistisch bearbeiten wird.
Aber genau das macht solche Touren aus:
nicht nur die Bilder mit nach Hause zu bringen, sondern auch Geschichten.
Von endlosen Wanderwegen.
Von Alpenpanoramen, die auf Fotos nie ganz so wirken wie in echt.
Von Wasserfällen hinter jeder zweiten Kurve.
Von Kaiserwetter mit leichtem Alpen-Dunst.
Und von Murmeltieren, die vermutlich immer ein kleines bisschen intelligenter sind als der Fotograf.
Ich hoffe, ich konnte Euch ein klein wenig die Schönheit in unserem Nachbarland etwas näher bringen

Euer Andi
















































































































































































































